Nach einem tollen Vormittag auf dem Wöllner-Hof ging es dann nach Pevestorf, wo wir von den Herren Voelkel bereits erwartet wurden. Bei Kaffee, Tee, frisch gebackenem Kuchen und einer kleinen Geschmacksprobe unserer brandneuen Hygge-Punsch-Sorten Apfel-Blaubeere und Apfel-Ingwer hieß Stefan Voelkel alle Gäste herzlich willkommen. Er nutzte die Chance, um ein paar Worte – nein, nicht über das Unternehmen und auch nicht über die Familie Voelkel zu verlieren, sondern über die Initiative „Ackergifte? Nein danke!“ und eine enkeltaugliche Landwirtschaft, einem Herzensprojekt.
Seit beinahe 40 Jahren leitet Stefan das von seinen Großeltern Margret und Karl gegründete Familienunternehmen. Seit beinahe 40 Jahren hat er den Leitgedanken „Verantwortung für Mensch und Natur“ kontinuierlich weiterentwickelt. Seit beinahe 40 Jahren kämpft Stefan – inzwischen zusammen mit seinen Söhnen – für gesunde Lebensmittel aus gesunden Strukturen. Und seit beinahe 40 Jahren wird Stefan nicht müde, Menschen von seiner Vision zu erzählen, wieder im Einklang mit der Natur zu sein. Dieser Mann hat soviel Kraft und Lebensfreude – es ist beeindruckend, ihm zuzuhören. Und man möchte sofort aufstehen und etwas tun. „Das kann man auch“, sagt Stefan Voelkel, während er seinen Helm aufsetzt und auf sein Fahrrad steigt. „Als Verbraucher hat man jeden Tag die Wahl, mit seinem (Kauf-)verhalten etwas zu bewegen.“
Im Anschluss stellte sich Jurek Voelkel vor, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb. Er nutze die Chance, seinem großen Bruder Boris zuvorzukommen, denn „wenn der erstmal über die biologisch dynamische Wirtschaftsweise spricht, hört er nicht mehr auf“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Jurek erzählte ein wenig von der Familie Voelkel, wie es ist, mit einem Vater wie Stefan und den Brüdern in einem Unternehmen zu arbeiten. „Trotz unserer unterschiedlichen Charaktere ist es sehr viel harmonischer zwischen uns, als man vielleicht denken würde. Oder vielleicht auch genau wegen der Unterschiede?“ Er berichtete, dass sein Bruder Jacob ganz sicher Saft in seinen Adern fließen habe und sehr gut mit dem Taschenrechner umgehen könne, während Boris eher die Seele des biodynamischen Handelns sei. „Jacobs Taschenrechner gegen Boris „Wir brauchen eine neue Tankhalle, ich habe dem Lieferanten versprochen, in diesem Jahr mehr Äpfel abzunehmen“ kann allerdings schon mal ein Konflikt sein. Und in anderen Unternehmen würde wahrscheinlich immer der Taschenrechner siegen. Na ja, bei uns ist das etwas anders“, lachte Jurek, „Ihr werdet die Baustelle der neuen Halle ja sehen, wenn Ihr nachher den Betrieb besichtigt.“
Nun stellte sich Boris vor, Geschäftsführer und Leitung des Einkaufs und der, der laut Jurek nicht mehr aus dem Reden rauskommt. Und es stimmte. Boris empfindet so viel Leidenschaft für seinen Beruf, und die möchte er gerne teilen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Events waren dafür sehr dankbar. Denn so haben wir eine ganze Menge über biodynamische Landwirtschaft, das Unternehmen Voelkel und Boris‘ Philosophie von „gesunden Lebensmitteln aus gesunden Strukturen“ erfahren. Dieser Leitgedanke für den Einkauf bei Voelkel werde er im Laufe der Betriebsbesichtigung so oft wiederholen, bis wir ihn alle verinnerlicht hätten, sagte Boris mit einem Augenzwinkern. Denn genau darum geht es und macht den „empathischen Einkauf“ aus.Gleich zu Beginn erzählte Boris, wie stolz er auf die langfristigen und partnerschaftlichen Beziehungen zu ihren Lieferanten sei. Er berichtete von verschiedenen Situationen, in denen mal Voelkel, mal der Lieferant ein für sich schlechteres Geschäft eingegangen ist – in dem Wissen, dass der Zeitpunkt kommen würde, in dem man die Hilfe des anderen brauche.
„Es gibt Jahre, da sind die Lagerhallen der Lieferanten voll. Und sie wissen nicht, wohin mit ihrer Ware. Da nehmen wir ihnen auch mal mehr ab als eigentlich geplant. Einfach, weil es unserem Lieferanten hilft“, erklärte Boris, „In solchen ertragreichen Jahren sinkt natürlich der Preis am Markt. Wir bei Voelkel sind aber immer dafür, die Preisgestaltung gleich zu halten. Denn auf eine gute Ernte, in der wir unseren Lieferanten mehr zahlen als am Markt üblich, folgt vielleicht eine schlechte Ernte. Und wenn dann auch der Lieferant nicht den Preis verlangt, den er sonst am Markt bekommen würde, dann haben wir eine stabile Partnerschaft.“
Im Laufe der Betriebsführung, in der alle expeditionsartig in Papieranzug und -haube durch die Hallen der Produktion geleitet wurden, erfuhren wir so viel Wissenswertes – über Landwirtschaft, das Unternehmen Voelkel und auch über die persönlichen Gedanken eines besonderen Menschen, Boris.„Die Verbraucher wissen so wenig, wie es wirklich ist“, sagte er, „erzählt es ihnen“, riet er den Bloggern und Journalisten. Inzwischen sei „bio“ in der gleichen Massenproduktion angelangt wie es in der konventionellen Landwirtschaft üblich ist – nur eben ohne Pestizide. „Das ist besser“, sagte Boris, „aber richtig gut ist es nicht.“Boris erklärte uns den Weg von Obst und Gemüse über die Presse zum fertigen Saft. „Zu unserem eh schon großen Sortiment bringen wir jedes Jahr 30 neue Produkte heraus. Die einen bleiben, die anderen gehen wieder. Auch mit dieser hohen Anzahl sind wir bei Voelkel etwas anders. Haben wir eine Idee, machen wir nicht lange Marktforschung. Wir probieren es aus“, Boris schaute nachdenklich, „Im Tun gehen die Sachen besser. Im Denken kommen oft komische Dinge raus.“ Wieder so ein Satz, der hängen blieb.
Eine Bloggerin fragte Boris, was sein Lieblingssaft sei. Er sagte: „Ich habe 200 Lieblingssäfte. Bei so vielen tollen Produkten, wie soll ich mich da entscheiden?“ Die Bloggerin hakte nach: „Und gibt es einen Saft, den du gar nicht magst?“ Boris überlegte: „Nein. Aber manchmal sind wir unserer Zeit wirklich schon sehr weit voraus. Ich meine, hey, wir hatten sogar mal einen Tomate-Shitake-Saft.“ Boris lacht, und alle stimmen bei dieser Vorstellung mit ein.
Insgesamt wurde viel gelacht an diesem Tag. Und als nach einem wunderbaren Essen in der Schlossküche in Gartow alle Gäste in ihre Unterkünfte gingen, nahm jeder für sich viele Bilder und gute Gedanken mit in die Nacht – bis zum nächsten Morgen, an dem es auf den Spuren von Margret und Karl weiterging …



